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Niedergrafschaft

Wietmarschen „katholische Insel“ der Grafschaft

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Geschichte lebendig machte Dr. Andreas Eiynck (links) bei einem Rundgang durch die Ausstellung. Foto: Iris Kersten

Auf dem Stiftsgelände in Wietmarschen ist am Freitag eine Ausstellung eröffnet worden. Sie zeigt die Geschichte und das Schicksal des Klosters und Stiftes in der Reformationszeit und im Zeitalter der Glaubenskämpfe.

Wietmarschen. In einem barocken Rot getaucht zeigt sich einer der Ausstellungsräume im Verwalterhaus auf dem Stiftsgelände in Wietmarschen. Er dokumentiert mit eindrucksvollen Exponaten die barocke Prachtentfaltung der adligen Stiftsdamen. Dazu gehört unter anderem auch die Pietà aus Sandstein, die bis vor einigen Jahren noch in einer Wietmarscher Klause gestanden hat und den Einflüssen des Wetters ausgesetzt war. Die Darstellung Marias als Schmerzensmutter mit dem Leichnam des Jesus Christus hat nach einer Restaurierung einen sicheren Platz in der Ausstellung gefunden. Offensichtlich gerade noch rechtzeitig: In der Klause wurde seinerzeit eine Nachbildung des Kunstwerkes aufgestellt, die wenig später Opfer von Vandalismus wurde.

Viele Gäste drängten sich am Freitag in den Fluren und Ausstellungsräumen des Verwalterhauses. Mit viel ehrenamtlichem Einsatz und der Unterstützung öffentlicher Stellen ist hier in den vergangenen Monaten ein kleines Wallfahrtsmuseum mit einer professionell gestalteten Ausstellung vieler Exponate zur Geschichte der Reformation im katholisch geprägten Wietmarschen aufgebaut worden.

Ökumenisches Miteinander

In einer Einführung zur Situation des Klosters und späteren Stiftes während und nach der Reformation heißt es: „Damals entstand die besondere Situation des Wallfahrtsortes Wietmarschen als ,katholische Insel‘ in der reformierten Grafschaft Bentheim. Die Folgen der damaligen Ereignisse und Entwicklungen liegen schon Jahrhunderte zurück, sind aber in der Region bis heute deutlich spürbar – nicht nur im kirchlichen Bereich.“

Auch Landrat Friedrich Kethorn erinnerte mit seinem Grußwort an die Auswirkungen der Reformation mit ihrer tiefen gesellschaftlichen Spaltung. Inzwischen gebe es aber gerade in der Grafschaft ein gutes ökumenisches Miteinander, das wirkungsvoll praktiziert werde. „Hier ist die Keimzelle“, betonte Kethorn und erinnerte an die ökumenische Begegnungsstätte Kloster Frenswegen, die bekanntlich von sechs Konfessionen getragen wird. Die erfolgreiche Zusammenführung konfessionsgeprägter zweier Krankenhäuser zur Euregio-Klinik und die bevorstehende Eröffnung einer von verschiedenen Konfessionen getragenen gemeinsamen Beratungsstelle seien weitere Beispiele einer in Deutschland einmaligen Situation. Im zu erlebenden Prozess der Veränderung des Verhältnisses der Konfessionen zueinander, so der Landrat, solle man „das Gemeinsame betonen“.

Verständnis und Toleranz

Als Präsident der Emsländischen Landschaft, die die Ausstellung zur Geschichte Wietmarschens in den Zeiten der Reformation mitfinanziert hat, erklärte Hermann Bröring, die Auseinandersetzung mit der Geschichte sei ein ganz wichtiges Feld, das es zu bearbeiten gelte. Wie es auf Verständnis und Toleranz zwischen den Konfessionen ankomme, müsse man in heutiger Zeit auch auf die vielen Flüchtlinge zugehen. Das sei eine besondere Herausforderung.

Wietmarschens Bürgermeister Manfred Wellen würdigte besonders das große ehrenamtliche Engagement, das der Konzeption und dem Aufbau der Ausstellung zugrunde liege. Zudem habe es sich aber auch als sehr hilfreich erwiesen, dass unter den zahlreichen Helfern auch professionelle Kräfte am Werk gewesen seien. Neben dem ehrenamtlichen Einsatz von Dr. Andreas Eiynck für die inhaltliche Gestaltung nannte Wellen unter anderem auch den Einsatz von Altbürgermeister Alfons Eling bei der Aufgabe, „die nötigen Mäuse einzusammeln“.

50.000 Euro Kosten

In Vertretung für den erkrankten Eling sagte die stellvertretende Heimatvereinsvorsitzende Luise Revermann zu Beginn der Eröffnungsfeierlichkeiten in der Wallfahrtskirche: „Ab heute gibt es ein weiteres Highlight im Ensemble des Stiftsgeländes.“ Die Kosten des etwa 50.000 Euro teuren Projektes sind vor allem von der Emsländischen Landschaft, der VGH-Stiftung, der Gemeinde Wietmarschen, dem Landkreis Grafschaft Bentheim sowie Bistum, Kirchengemeinde und Heimatverein getragen worden.

Zur Einführung der Feierlichkeiten am Ort der Marienverehrung hatte Pastor Gerhard Voßhage gebetet: „Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir Maria.“

Einen GN-Kommentar zu diesem Thema lesen Sie am Sonnabend in den Grafschafter Nachrichten – hier auch als E-Paper.

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