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Obergrafschaft

Schüttorfer soll im Krankenwagen randaliert haben

er soll im Krankenwagen randaliert haben
Ein 39-jähriger Mann muss sich vor dem Landgericht in Osnabrück verantworten. Er soll Beamte und Rettungshelfer angegriffen und beleidigt haben. Symbolfoto: Münchow

Ein 39-Jähriger soll die Rettungskräfte, die seiner Mutter helfen wollten, angegriffen haben. Als die Polizei eintraf, soll er auch die Beamten beschimpft haben. Jetzt muss er sich vor dem Landgericht verantworten.

Schüttorf/Osnabrück. Nach der Verlesung eines Urteils des Amtsgerichts Nordhorn deutete vieles darauf hin, dass die Berufung der Staatsanwaltschaft verworfen werden würde. Doch dann verwies die Anklagevertreterin auf die vielen Vorstrafen des Mannes aus Schüttorf, der wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung am 27. September 2016 in Nordhorn zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden war. Die Tat hatte der Angeklagte vor dem Amtsgericht voll umfänglich eingeräumt.

Sachverhalt:

Aus dem Urteil und der Vernehmung der Zeugen vor dem Landgericht Osnabrück ergab sich folgender Sachverhalt: Am 15. Mai 2016 war der Angeklagte mit seiner Mutter nachmittags zu einem Kindergeburtstag in der Verwandtschaft in Schüttorf gegangen. Während die Kinder spielten, wurde von den Erwachsenen Wodka und Bier getrunken. Gegen 19 Uhr wollten die Gäste nach Hause. Vor dem Haus erlitt die Mutter des Angeklagten einen Herzanfall. Ein herbeigerufener Rettungswagen war schnell zur Stelle, sodass die Behandlung der ohnmächtigen Mutter im Krankenwagen beginnen konnte.

Im Krankenwagen

Der Angeklagte setzte sich auf den Beifahrersitz, weil er unbedingt mit ins Krankenhaus fahren wollte. Als die Mutter erwachte und jegliche Behandlung ablehnte, wurde der Sohn renitent. Seine Mutter, die den Krankenwagen verlassen hatte, wurde erneut ohnmächtig und stürzte. Daraufhin beleidigte der Sohn die Rettungskräfte und versuchte sie zu schlagen. Aus Eigenschutz, so berichtete ein Sanitäter, habe man sich dann zurückgezogen und die Polizei gerufen.

Polizei trifft ein

Als die Beamten eintrafen, zogen sie die Aggressionen des 39-Jährigen auf sich. Er versuchte, einen Polizisten zu Boden zu bringen, doch dieser konnte ausweichen. Zwei Beamte konnten dem Randalierer nur mit Mühe Handfesseln anlegen, während er sie mit Kopfstoßversuchen attackierte. Zusätzlich beleidigte er die Einsatzkräfte mehrfach mit „Ihr blöden Wichser“. Nachdem er in den Einsatzwagen verbracht worden war, trat er nach einem Polizisten.

Aussage des Angeklagten

„Warum haben Sie das getan?“ fragte der Richter. Er sei in Panik gewesen, wegen seiner Mutter, antwortete der Angeklagte. Eine Blutprobe hatte einen Blutalkoholwert von 1,62 Promille ergeben. Zur Tatzeit dürfte er – so stellte im Prozess ein Sachverständiger fest – über 2,1 Promille gelegen haben. Trotz dieses hohen Wertes hatte keiner der Beteiligten erhebliche Ausfallerscheinungen bemerkt. Der konsumierte Wodka, so gab der Angeklagte an, sei selbst gemacht gewesen und mit Diazepam versetzt gewesen, um „die Dröhnung zu erhöhen“.

Gutachten Psychiater

Diese Behauptung, so führte der geladene Psychiater aus, gehöre zu einer Märchenstunde. Er legte dar, dass der Angeklagte schon in seinem Geburtsland Kasachstan mit zehn Jahren angefangen hatte, Alkohol zu trinken. Er sei dann über Cannabis und andere Drogen in eine Drogenabhängigkeit abgeglitten, die bis jetzt existent sei. In zahlreichen Prozessen habe sich gezeigt, dass Drogen oder Alkohol bei den zur Last gelegten Straftaten oft eine Rolle gespielt haben.

Vorbestraft

Zwölf Jahre habe der Angeklagte bereits im Gefängnis verbracht, aber bisher nicht ernsthaft versucht seine Suchtproblematik aufzuarbeiten. Zur Tatzeit sei der 39-Jährige nur eingeschränkt steuerungsfähig gewesen. Der Sachverständige empfahl die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Ansonsten seien weitere Straftaten zu erwarten. Diese Feststellungen erregten den massiven Unmut des Verteidigers Thomas Heils. Er zweifelte an, dass der Sachverständige aus einem zweistündigen Gespräch und ansonsten nur nach Aktenlage, in der Lage sei, solche weitreichende Feststellungen zu treffen. Er brachte einen Befangenheitsantrag gegen den Sachverständigen ins Gespräch.

Beweisanträge

In einer Stellungnahme verwies die Staatsanwältin auf die Verlesung des umfangreichen Strafregisters. Seit 1999 hat der Angeklagte unzählige Male vor deutschen Gerichten gestanden. Von einfachem Diebstahl über Raub bis hin zu einer dreifachen Vergewaltigung lauteten die Tatvorwürfe. Sie legte dem Verteidiger nahe, seinem Mandanten den Aufenthalt in einer Entziehungsanstalt zu empfehlen, damit er mit Anfang 40 endlich ein geordnetes Leben beginnen könne. Doch Rechtsanwalt Heils zeigte sich unbeeindruckt. Er kündigte Beweisanträge an, sodass der Richter zwei weitere Termine ansetzen musste.

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